lost nun nicht wirklich aber eine Möglichkeit für ein kleines Abenteuer allemal...
...oder besser gesagt, eine Notwendigkeit wird zur Möglichkeit.
Denn eigentlich zwingt mich ja niemand, mein Rad abzuholen. Zur Erklärung:
Ich bestreite im Normalfall meinen Arbeitsweg mit dem Zug und dem Rad. Nun ist es durch eine Kombination aus Brand an einer Oberleitung, Schienenersatzverkehr und der vehementen Weigerung des Busfahrers mein Rad im Bus mitzunehmen, zu einer Situation gekommen, in der ich mich entscheiden musste, mein Gefährt an einem Bahnhof zu belassen, welcher nicht mein Heimatbahnhof war, oder nach zwei Nachtdiensten den Weg aus eigener Muskelkraft zu bestreiten. In 99% der Fälle hätte ich mich für die Variante „dann radle ich halt heim“ entschieden. Doch just an diesem besagten Tag hätten die zusätzliche 2,5, Stunden Fahrzeit zu einer nicht hinnehmbaren Terminkollision geführt. Also Rad bleibt vor Ort, ich fahre.
Heute, am Tag danach, lockt mich die Sonne nach draußen. Und weil ich ja ohnehin mein Rad holen muss (nun ja muss...ich möchte einfach mein Hauptverkehrsmittel in meiner Nähe haben) liegt es schon fast auf der Hand, daraus ein kleines Abenteuer zu machen.
Ich kenne den Weg sowohl vom Auto als auch auch vom Zug aus. Auch mit dem Rad war ich hier schon des Öfteren auf den ausgeschilderten Radwegen unterwegs. Nun wäre es jedoch langweilig, genau diese Wege zu nehmen.
Deswegen stelle ich mir eine Route zusammen abseits der größeren Straßen. Je dünner die Striche auf der Karte desto eher werden sie von mir in meine Planung mit einbezogen. Ob diese Wege alle fahrbar sind lässt sich nur anhand der Karte nicht vorhersagen. In der Realität zeigt sich: naja….eh, so halbwegs. Wenn man nix dagegen hat ordentlich durchgerüttelt zu werden, die Durchblutungsförderung mittels zartem, manchmal auch nicht ganz so zartem, Streichen von Brennnesselblättern über nackten Waden aushält und Spurenlesen zum Finden des Wegs zu seinen Hobbys zählt, dann ja. Dann könnte man alle Wege als durchaus fahrbar bezeichnen. Auch eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Fahrverboten und Schildern mit der Aufschrift Privatgrund oder Betreten des Betriebsgeländes VERBOTEN ist vorteilhaft.
Der Weg schlängelt sich entlang der Leitha ostwärts durch beeindruckendes Augebiet. Begleitet von massenhaft Schmetterlingen, dem Plätschern des Flusses und vielen Reihern geht es in gemächlichem Tempo Richtung Heimat.
Ich finde mich wieder in einer Umgebung, die den Vergleich mit dem nahegelegenen Nationalpark Neusiedlersee nicht zu scheuen braucht. Wahrlich ein Auenland und mit ein wenig Fantasie könnte es durchaus sein, dass man Plätze findet, an denen ein Treffen auf Bewohner von Hobbingen durchaus denkbar wäre.
Auch wenn die großen Straßen gar nicht weit entfernt sind und sich ab und zu die Verkehrsgeräusche ihren Weg zu mir bahnen, hat schon nach kurzer Zeit das Plätschern des Wassers im Fluss, das Summen der Insekten und das gelegentliche Quaken der hier ansässigen Enten eindeutig die Oberhand gewonnen.
Und so hat sich die Notwendigkeit, mein Rad zu holen zu einer Entdeckungsreise meiner nächsten Umgebung verwandelt. Mit Einblicken in die Natur, die deutlich Lust auf mehr machen.
Bis bald im Wald!
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