Nun ja, nur vom Ansehen alleine werden wohl die Wenigsten tot umfallen. Wäre auch blöd. Gerade jetzt, in der Zeit von September bist November. Denn da blüht sie nämlich diese tödliche Schönheit. Die Herbstzeitlose oder Colchicum Autumnale, wie sie der Wissenschaftler nennt. Und das in großen Mengen. Vornehmlich auf feuchten Wiesen und Weiden findet man die tulpenähnliche Pflanze mit ihren rosa bis hellvioletten Blüten, die trichterförmig in einer Blütenröhre münden.
Ihr Aussehen erinnert stark an Safran, ein Krokusgewächs, eines der teuersten Gewürzen der Welt. Eine Tatsache, die schon so manchem zum Verhängnis wurde. Darf sich die Herbstzeitlose doch zu den giftigsten und tödlichsten Pflanzen in unseren Breiten zählen.
Ihr Gift besteht aus einem Mix aus über 20 Alkaloiden. Der Hauptwirkstoff ist Colchicin, ein in der Wirkung dem Arsen ähnliches Gift. Es findet sich in jedem Teil der Pflanze. Mit etwa 10 – 20mg ist die höchste Konzentrationen in den Wurzelknollen und den Samen. Bereits die Einnahme von 5g dieses Pflanzenmaterials geht mit einer hohen Mortalitätsrate einher.
Die ersten Symptome zeigen sich etwa 2 – 6 Stunden nach Einnahme mit einem Kratzen und brennendem Gefühl im Hals. Problematisch, weil nun schon der Großteil des Gifts absorbiert wurde. Kurz darauf beginnt beinahe unstillbares Erbrechen, es kommt zu starken Muskelkrämpfen und blutigen Durchfällen. Betroffene erleben diese Symptome bei vollem Bewusstsein bis sie nach etwa 2 – 3 Tagen an Atemlähmung versterben.
Die Therapie besteht, wenn frühzeitig erkannt, also idealerweise vor Auftreten der ersten Symptome, in der Verabreichung von Aktivkohle und Magenspülungen um die weitere Resorption von Colchicin zu vermeiden bzw. zu verringern. Im weiteren Verlauf werden Betroffene umgehenden intensivmedizinischen Maßnahmen zugeführt, um ihr Leiden erträglich zu machen. Ein spezifisches Gegengift existiert nicht. Auch lässt sich der Giftstoff nicht durch Dialyse (Blutwäsche) aus dem Körper entfernen. Das erklärt auch die Letalität einer Colchicin-Vergiftung durch die Herbstzeitlose von 90%.
Auch wenn keine Fälle von Intoxikationen durch Aufnahme über die Haut, also einem Anfassen der Pflanze, bekannt sind, kann es doch zu Hautreaktionen kommen. Ich rate jedem davon ab, die Pflanzen anzufassen, da durch einen versehentlichen Kontakt mit Schleimhäuten, wie im Mund oder den Augen, Colchicin aufgenommen werden kann.
Nicht nur für uns Menschen ist die Pflanze gefährlich. Auch Pferde und Kühe, die noch das Glück haben, auf Wiesen grasen zu dürfen, haben ein Risiko sich zu vergiften. Was für die Tiere und deren Besitzer katastrophal ist, kann auch für nicht laktoseintolerante Milchendverbraucher zum Verhängnis werden. Denn anderes als beim Menschen, bei dem bereits 7 – 26 mg tödlich wirken können, braucht es 0,5 – 2,5 kg um eine Kuh aus den Latschen zu hauen. Und diese Menge muss eine Kuh erst einmal finden und fressen. Das tun die nämlich nur sehr ungern. Scheint ihnen wohl nicht zu schmecken. (Liebe Pferdebesitzer Obacht! Denen ist der Geschmack wohl egal, die würden die Pflanze kiloweise vertilgen) Leider hat Colchicin die Eigenschaft in die Milch überzugehen und dort auch nichts von seiner Wirksamkeit einzubüßen. Auch durch Trocknen oder Erhitzen (wie bei der Herstellung von Heu oder dem Kochen) bleibt die Wirksamkeit vollständig und unvermindert bestehen.
„Aber wer isst den schon freiwillig eine so giftige Pflanze?“, fragt man sich nun zu Recht. Sofern nicht in suizidaler Absicht passiert es in der Regel durch eine Verwechslung. Wie bereits erwähnt ist die Ähnlichkeit mit Safran nicht von der Hand zu weisen. Aber auch die Tatsache, dass die Blätter nach dem Winter in etwa zur gleichen Zeit aus dem Boden sprießen wie die des allseits beliebten Bärlauchs und diesen auch nicht ganz unähnlich sind, führt immer wieder zu tragischen Verwechslungen.
Aber Bärlauch riecht doch so stark nach Knoblauch- stimmt das tun die Blätter der Herbstzeitlosen nicht. Doch wenn ich im Wald schon seit 20 Minuten Bärlauch pflücke riechen meine Hände und so ziemlich alles andere, was ich damit berühre auch nach Knoblauch!
Daher Augen auf beim Kräutersammeln und nur nehmen, was über mehrere Merkmale zu 100% identifiziert werden kann!
So bleibt mir abschließend nur noch zu sagen:
Bis bald im Wald, euer Waldschrat
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